Einsame Reiteralpe

An einem der letzten schönen Herbsttage des Jahres sind wir in der Berchtesgadener Reiteralpe unterwegs. Oft waren wir schon hier und jedesmal verzaubert uns die Urigkeit der weitläufigen Landschaft aufs neue.  

Die östliche Gipfelkette der Reiteralpe vom Edelweißlahner

Diesmal steigen wir über den „Eingeschossenen Steig“ auf, durchqueren den Baumgarten und erklimmen den Edelweißlahner über seine Nordseite. Die technische Tourenbeschreibung hierzu findest Du weiter unten.

Nordflanke des Edelweißlahner

Die tiefstehende morgendliche Herbstsonne bringt die Wipfel der gelben Lärchen zum leuchten. Stellenweise mag man hier einen Eindruck gewinnen, wie das gesamte Hochplateau der Reiteralpe vor der Abholzung im 19. Jahrhundert wohl ausgesehen haben muß. Aber auch das ist nur geschmeichelt; Hier oben war einst ein einziger, dichter Ur-Mischwald, der leider unwiederbringlich weg ist.

Das Hochplateau, im Hintergrund östliche Randkette

Damals wurden unfassbare Mengen von Brennholz für die Salzgewinnung in der Bad-Reichenhaller Saline benötigt. Als die Reiteralpe kaum noch Baumbestand hatte, hat man sie aus dem Salinenvertrag herausgenommen. An Stelle der ehemaligen Zirben- und Lärchenwälder sind heute Weiden und Latschenfelder.

Weidebecken der Reiteralpe

Ein langer Marsch bringt uns über das Hochplateau zur Traunsteiner Hütte. Diese wird jedoch für dieses Jahr nicht mehr bewirtschaftet. So starten wir durch in Richtung „Wachterlsteig“, um wieder zu unserem Ausgangspunkt, der „Schwarzbachwacht“ zu gelangen.

typischer Landschaftstrichter mit Waldsaum

Dabei durchqueren wir eine schier endlose Abfolge von in grauer Vorzeit geformten Landschaftstrichtern mit waldumsäumten Lichtungen und Wiesen-Moos-Flaum. Eine entrückte Welt mit eindrucksvoller Kulisse. Käme jetzt ein Dinosaurier aus dem Gehölz auf die Lichtung, ich wäre nicht verwundert.

Der Wachterlsteig zog sich wie Kaumgummi. Nach einem neunstündigen Wandertag kommen wir wieder bei unseren Fahrrädern an. Die Fahrt zurück nach Berchtesgaden geht Gottseidank fast ausschließlich „obi“ !



Informationen für Wanderer:

Schwierigkeit: anspruchsvolle Bergtour
Klassifizierung gemäß DAV Alpenführer: Eingeschossener Steig W3,  Aufstieg Edelweißlahner W3 / UIAA I, Reiteralmplateau und Wachterlsteig W2.
reine Gehzeit: 9h ( hiervon ca. 4,5h für den Aufstieg zum Edelweißlahner )
Strecke: 16km
Höhenmeter: 1.120 Hm
Höchster Punkt: Edelweißlahnerkopf mit 1.953 m
Ausgangspunkt: Parkplatz an der Schwarzbachwacht mit 1.000 m 
Öffentliche Verkehrsmittel: Nächste Bushaltestelle Alpenstraße (Ringlinie 845 Ramsau „RamBus“ ). Fahrzeiten jedoch kaum brauchbar. 
Karte: Alpenvereinskarte, 1:25 000, Blatt BY 20 »Lattengebirge, Reiteralm«
Führer: Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen
Hütte: Neue Traunsteiner Hütte (Mai bis Mitte Oktober), 1.560 m
Beschreibung: Vom Parkplatz aus folgt man kurz dem Wachterlsteig in Richtung Traunsteiner Hütte. Bald passiert man einen markanten Felsblock, dahinter geht es links in Richtung Eisberg zum „Eingeschossenen Steig“.  Dieser führt durch die linke zweier Talungen, die durch das Zirbeneck geschieden sind. Durch die rechte führt der Wachterlsteig, den wir für den Abstieg nutzen werden.
Im unteren Anstieg durch den Wald ist der Weg kaum bis gar nicht ausgezeichnet. Im Herbst kann dieser durch Laubfall teils schwierig zu erkennen sein. Zahlreiche falsch laufende Trittspuren dokumentieren das.
Aus dem Wald herausgekommen steigt man nach rechts zum Fuß einer Felswand, die man nach links über in den Fels „geschossene“, seilversicherte Passagen quert.
Ab dem Baumgarten ist die Kennzeichnung des Weges gut. Der Aufstieg zum Edelweißlahner ist mit Karststellen und ein wenig Kraxelei Grad I ein sehr schöner Aufstieg, erfordert jedoch Trittsicherheit.
Der Edelweißlahnerkopf bietet tolle Aussicht über die Gipfel der östlichen Randkette der Reiteralpe wie Schottmalhorn, Prützelkopf, etc. bis zu den Häuselhörnern, sowie auf das Ramsauer Tal bis zum Hohen Göll. Außerdem natürlich gen Westen über das Hochplateau der Reiteralpe selbst bis zur Traunsteiner Hütte und Weitschartenkopf. Auch der markante, vorspringende Felszacken des Berchtesgadener Hochthrons ist noch zu sehen. 
Der Abstieg Richtung Traunsteiner Hütte ist unproblematisch, zieht sich aber. Ebenso der Weg zum und der Abstieg über den Wachterlsteig ziehen sich am Ende eines langen Wandertags. Auch wenn das Gelände nur W2 ist, wenn die Konzentration nachlässt und die Müdigkeit zunimmt: Obacht – Lieber eine kurze Trinkpause mehr und die Beine mal ausschütteln, als auf den letzten Metern den Knöchel umknicken.

Routenkarte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.