Schneeschuhtour zum Falzkopf

Von der Wimbachbrücke aufs Watzmannhaus ist im Sommer eine gern gemachte Tour, für viele ist es der Ausgangspunkt für die beliebte aber nicht ganz unanstrengende Watzmannüberschreitung. Im Winter lässt man das mit der Watzmannüberschreitung besser bleiben. Aber das Watzmannhaus ist für Tourengeher oder Schneeschuhwanderer noch erreichbar; Natürlich auch nicht ganz ohne Anstrengung.

Von der Wimbachbrücke gehen wir den ausgeschilderten Weg in Richtung Falzalm und Watzmannhaus. Am Beginn des Weges ist eine Teststation für die Lawinensender aufgebaut. Unsre funktionieren, die Batterien sind frisch. Schaufeln und Sonden sind natürlich auch im Rucksack. All das ist Pflicht für jeden Tourengeher und Schneeschuhwanderer.

Außerdem Pflicht: Lawinenwarndienst beachten : https://www.lawinenwarndienst-bayern.de

Die ersten 1,5h geht es aufi durch den Wald, folglich nicht viel Aussicht außer ein paar gelegentliche Talblicke, aber so ist das eben unter der Baumgrenze. Wir gehen die Route, die auch die Tourengeher benutzen, verschonen deren Spuren, auch wenn das noch ein bißchen anstrengender ist. Vorsicht: Mit herab rauschenden Skifahrern muss immer gerechnet werden, auch hinter jeder Kurve. Wenn die Kollegen an einem vorbei zischen, auch an den unübersichtlichsten und engsten Stellen stets mit Vollgas, wundert immer, wie wenig Unfälle passiert. Oder vielleicht bekommt man das auch einfach nicht zu hören.

Erstmals reißt der Wald bei der Stubenalm richtig auf, heute perfekte Aussicht, klare Luft, kein Wölklein. Die Landschafts wirkt durch die durchgehende Schneedecke in uni gleich doppelt so weitläufig wie im Sommer.

Grubenalm

Nicht zuletzt der Individualität wegen und für ein kleines bißchen mehr Einsamkeit nehmen wir eine Routenvariante über die „Grubenalm“ zur Mitterkaseralm. Ein netter, kleiner Schwenk gegenüber dem Normalweg, der für Schneeschuhgeher lohnenswert ist: Mehr offene Fläche, weniger Wald, weniger Frequenz.

Mitterkaseralm

Bis zur Mitterkaseralm ist das Gelände einfach zu gehen. Im Sommer geht man bis hierhin auf Forstwegen. Wenig später wird der Weg zum Steig, und in Richtung Falzalm ist dieser wegen der zunehmenden Steilheit auch deutlich anspruchsvoller zu gehen.

Fichtenkreuzschnabel

Der Fichtenkreuzschnabel ist in der kalten Jahreszeit oft zu sehen, da er sich intensiver als im Sommer um die Nahrungsbeschaffung kümmern muß. An Insekten ist es im Winter eher mau, daher muss sich umso umtriebiger um vegane Kost bemüht werden. Seine gekreuzte Schnabelspitze hilft Ihm beim aufbiegen der Schuppen diverser Nadelholz-Zapfen, um an deren Samen zu kommen. Die Jungtiere haben einen noch geraden Schnabel, erst später stellt sich die Verdrehung ein.

Fichtenkreuzschnabel

Wir kämpfen uns in steilen Kehren den Wald hinauf. Schwierig eine eigene Spur zu finden, die Tourengeher haben den Idealweg bereits beschritten, aber wir sind tapfer und versuchen deren Spur zu verschonen.

Falzalm

Auf der Falzalm angekommen, eröffnet sich uns eine fantastisch entrückte, eisige Bergwelt. Die gute Miene der sonnigen Szenerie wird zum bösen Spiel, wenn die gelegentlich aufkommenden, Schnee treibenden Böhen einem ins Gesicht schlagen. Da wird man kräftig herunter gekühlt und spürt ganz deutlich, dass hier kein wirklich wirtlicher Ort für Menschen ist.

Wir lassen kurz den Blick schweifen und betrachten die Gipfel der uns umgebenden Berge, die uns im Sommer so vertraut sind, und jetzt, vereist und schneebedeckt, so unbegehbar erscheinen, und teils auch sind.

Gipfel der Watzmannfrau (kleiner Watzmann)
Kahlersberg
Schneibstein
Hohes Brett
Watzmannkinder

Wir gehen noch ein etwa 100 Höhenmeter weiter, der Sonne und dem Watzmannhaus entgegen. Es wird jedoch zunehmend windiger und unangenehmer. Auf dem Hocheck, dem nördlichsten der drei Gipfel des Watzmann, fegen starke Winde den Pulverschnee hunderte von Metern in die Luft.

Watzmannfrau und Watzmann

Immer wieder kommen manche der dort oben entstehenden Windhosen die Schneeflächen bis zu uns herunter und machen aus einer eigentlich nahezu windstillen und sonnigen Idylle für kurze Zeit einen Schneesturm, der einen fast von den Füßen bläst. Schnee prasselt uns hart ins Gesicht und wir müssen uns schräg in den Wind ducken. Nach einer halben Minute ziehen der kalte Wind dann weiter und alles ist wieder, als wenn nichts gewesen wäre. Aber nicht für lange.

Hocheck im Schneegestöber

Uns wird es insgesamt zu heikel und wir entscheiden, die letzten Meter zum Watzmannhaus nicht mehr zu gehen. Wir genießen noch ein wenig die Aussicht und gehen wieder „obi“.

Informationen für den Schneeschuhgeher:

Schwierigkeit: anspruchsvolle Schneeschuhtour
reine Gehzeit: 3,5h bis Falzalm, +1-1,5h bis Falzkopf
Strecke: 13km auf und ab
Höhenmeter: ca. 1.330 m
Höchste Punkte: Falzalm (1.615m), Watzmannhaus (1.930m)
Ausgangspunkt: Parkplatz an der Wimbachbrücke (640m) 
Öffentliche Verkehrsmittel: Bushaltestelle Wimbachbrücke (Linie 846 Berchtesgaden – Ramsau).
Karte: Alpenvereinskarte, 1:25.000, Blatt BY 21 »Watzmann«

Routenplan Wimbachbrücke Falzalm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.